E5 von Oberstdorf nach Meran 

2017 E5 23 Pitztaler JöchleDa war mal die Idee, als MTB‘er zu Fuß einen „Transalp“ zu machen. Bei solch einem neuen Vorhaben beginnt man erst einmal mit einer bekannten Route. Und welche Route fällt einem da sofort ein?
Natürlich der E5. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Strecke ist wie ein bunter Hund bekannt, und man ist in einer Woche wieder zurück am Arbeitsplatz, bei der Familie, …
So reifte der Plan und fand den Weg in das Sektionsheft. Ausgebucht war ich schnell. Überraschenderweise mit bekannten MTB‘ern. Vielleicht lag das an meinen MTB-Touren, bei denen man auch öfters mal zu Fuß gehen muss.


So träumte die 10köpfige Gruppe, mit kurzen Hosen leicht gebräunt im September die Alpen zu überschreiten.
Doch ganz so einfach war das nicht, denn die Wettervorhersage war alles andere als gemütlich. Da wurde von Schneefallgrenze gesprochen, von Sturm, Kaltfronten, Zwischentiefs und so weiter.
Optimistisch gesagt, waren die kurzen Hosen schon mal dahin. Man denkt bei so einer Vorhersage auch schon mal weiter ... Aber Urlaub ist genommen, die Hütten sind gebucht, … und was viel entscheidender ist, die Truppe ist gut drauf und will los, auch ohne kurze Hosen.
... und dann brechen wir am 14.09.2017 auf.


Tag 1
In Schwabmünchen reisten wir am Morgen alle mit der DB nach Oberstdorf ab. Das Wetter hätte zu diesem Zeitpunkt noch kurze Hosen zugelassen, aber die Wettervorhersage hat diese aus dem Packplan gestrichen. Wir nutzten den Bus nach Spielmannsau, den man für eine Gruppe hätte reservieren sollen. Im kurzerhand organisierten Zweit-Bus ging es zum Ausgangspunkt und so stiegen wir bei anfangs sonnigem Wetter zur Kemptener Hütte auf. Die Wolken flogen über uns nur so hinweg und brachten dann am frühen Nachmittag, kurz vor dem Erreichen der Hütte, den ersten Regen. Die Hütte war ca. zur Hälfte belegt und nicht die gemütlichste, verwöhnte uns jedoch mit gutem Essen.
Eckdaten
Spielmannsau (1000) – Kemptener Hütte (1844)
Hoch: 850 hm Runter: 0 hm


Tag 2
Die kleine Kaltfront ist durchgezogen und hat den ersten Schnee mit sich gebracht. Leichter Puder verzauberte die Landschaft bei blauem, wolkenlosen Himmel.
Irgendwie haben wir kein gemeinsames Frühstück hinbekommen. Zu groß war die Hektik, und statt Essen hat man sich mit Was-ziehe-ich-an? und Wie-packe-ich-meinen-Rucksack? auseinander gesetzt.
Dabei hat sich ja die Kurze-Hosen-Frage gar nicht mehr gestellt.
Leicht verspätet marschierten wir dann über das Mädele Joch (1973) dem Orte Holzgau entgegen und bewunderten die Berge im Sonnenaufgang.
In Holzgau machten wir beim Bäcker ein sehr chilliges zweites Frühstück in der Sonne und starteten dann weiter mit dem Feuersteintaxi zur Materialseilbahn der Memminger Hütte. Die gestern plötzlich entstandene Hütten-Panik "Das Wetter ist zu schlecht für den E5“ ist verflogen und steil zieht sich der Weg hinauf in das hochalpine Gelände. Die Hütte zeigte sich erst kurz vor Ende der Tagesetappe. Nicht so die Steinböcke, die geruhsam von einem Wiesenhang aus unsere Gruppe und die paar weiteren E5‘ler beobachteten.
Auch diese Hütte erreichten wir schon am frühen Nachmittag, und so blieb noch genug Zeit, die Gegend und die Seescharte zu erkunden. Hier ereignete sich auch etwas sehr Mystisches mit meinem Fleecepulli. Ein Geheimnis, das im Gegensatz zu meinem Pulli in den Bergen bleibt.
Eckdaten
Kemptener Hütte (1844) – Mädelejoch (1973) – Holzgau (1090) - Material-Seilbahn (1550) - Memminger Hütte (2242)
Hoch: 1000 hm Runter: 1360 hm


Tag 3
Eine weitere Kaltfront ist über Nacht durchgezogen und hat den zweiten Schnee mit sich gebracht. Eine weiße Decke hat sich über die Landschaft gelegt und erinnerte mehr an eine Erstbesteigung als an den ausgetretenen E5. Wie durch ein Wunder saßen wir alle gemeinsam am Frühstückstisch, konnten den Kaffee genießen und den Tag besprechen. Geschickterweise ließen wir einer kommerziell geführten Tour 15 Minuten Vorsprung, damit wir dem vorgespurten Weg nur nachlaufen mussten. Leider hatten wir die ersten „Fußkranken“ dieser Gruppe schon nach 15 Minuten wieder eingeholt, sodass wir nun gut gelaunt die jungfräuliche Schneedecke betreten durften. Dank der Erkundung am Vortag fanden wir bei weiterem Schneefall auch die Seescharte, die sich durch Felszacken hindurch zwängt. Im letzten Stück halfen Stahlseilsicherungen, dieses unschwierige Nadelöhr zu überwinden. Beim langen Abstieg in das Zamser Loch wandelte sich der Schnee zu Regen und vernebelte das vermutlich gigantische Panorama. Alle Einkehrmöglichkeiten waren geschlossen. Wer wandert schon bei so einem Sauwetter?! So zogen wir ohne große Rast nach Zams und landeten, ich mag es kaum sagen, beim XL-Lutz im Restaurant. Wir wollten ja nach dem Essen noch die Massage-Sessel und Matratzen testen.
Nach diesem Test kam dann auch die Sonne wieder zum Vorschein, und wir versorgten uns noch im Supermarkt. Mit der Unterkunft "Gasthofkreutz" hatte ich leider kein so gutes Händchen beim Buchen (Nicht zu empfehlen).
Eckdaten
Memminger Hütte (2242) – Seescharte (2599) – Zams (770)
Hoch: 440 hm Runter: 1850 hm


Tag 4
Der erste Lichtblick des Tages waren jedoch richtige Frühstückssemmeln im Vergleich zum trockenen Bergsteiger-Frühstücksbrot auf den Hütten. Da, wo eigentlich die Berge sein sollten, waren nur Nebel und Wolken. Wir entschieden uns für einen relaxten Start mit der 09:00-Uhr-Seilbahn der Venet-Bahn. Oben wurden wir dann doch positiv vom Wetter überrascht, sodass wir die Gratüberschreitung (E5 Variante) bei dramatischer Wetterstimmung und schönem Neuschnee in Angriff nahmen. Unser anfänglicher Optimismus wandelte sich dann aber durch den 1600 hm langen Abstieg nach Wenns. Zudem fühlten wir uns noch getrieben von der Zeit, denn der Bus für die Weiterfahrt sollte erreicht werden.
Die Enttäuschung war groß, weil der geplante Bus sonntags nicht fährt (das stand im Kleingedruckten). Wir wollten schon ein Wirtshaus ansteuern, als sich ein Fenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffnete. Es war nicht Rapunzel, die ihr Haar herunterließ, sondern - viel besser - ein Kleinbusfahrer, der eine Sonderfahrt anbot. So freuten wir uns, entspannt im Kleinbus unserem Etappenziel näher zu kommen. Die Wirtshaus-Pause war nicht aufgehoben, sondern nur verschoben und wurde mit dem wohl besten Kaiserschmarren belohnt. Gestärkt meisterten wir den Aufstieg zur Braunschweiger Hütte, die in Punkto Essen und Hüttenromantik sicherlich der Gipfel dieser Tour war.
Das Wetter erlaubte uns ab und zu sogar einen Blick auf die umliegenden Gletscher.
Eckdaten
Zams (770) – Venetbahn (2212) – Glanderspitze (2512) – Wenns (990) – (Parkplatz Gletscherblick (1690) – Braunschweiger Hütte (2758)
Hoch: 1350 hm Runter: 1600 hm


Tag 5
Eine weitere Kaltfront ist über Nacht durchgezogen und brachte neuen Schnee mit sich. Eine weiße Decke hat sich über die Landschaft gelegt und ..., ja das hatten wir schon.
Der Morgen war kalt und klar, und wir stiegen dem Pitztaler Jöchle entgegen. Es stellte sich aber heraus, dass auf dem vermeindlichen Sattel das Pitztaler Jöchle noch nicht erreicht war. Geschickt schlängelte sich der Weg - zum Teil leicht ausgesetzt - durch die eingeschneiten Felsen auf 2996 Meter Höhe. Auf der Söldener Seite hatten wir noch einmal ein Rapunzel-Déjà-vu, welches uns schnell durch den Rettenbachferner-Tunnel zum Venter Höhenweg brachte. Hier blieben unsere MTB-Spuren von vor sechs Wochen auch unterm Schnee versteckt. Die Sonne wurde jetzt immer öfter von Wetter-Vorboten verdeckt. Landschaftlich war dieser Tag sicherlich ein Höhepunkt der Tour. Wir machten in Vent noch einmal Pause, bevor wir die letzten Höhenmeter zur Martin-Busch-Hütte angingen. Das Wetter hatte sich mittlerweile in Regen verwandelt, was den langen, zähen Weg nicht erleichterte. So waren wir alle froh, nach dieser Etappe abends die ersehnte Hütte erreicht zu haben.
Eckdaten
Braunschweiger Hütte (2758) – Piztaler Jöchle (2996) – Vent (1895) – Martin Busch Hütte (2501)
Hoch: 1300 hm Runter: 1600hm


Tag 6
Eine weiter Kaltfront ist ... noch da. Auch am Morgen schneite es, und wir waren mittlerweile sehr einsam auf dem E5 unterwegs. Woran das wohl lag? Die Wegfindung orientierte sich an Steinmännchen und weiter bergauf wurde sie durch Stangen erleichtert. Und so stapften wir zum Teil in tiefem Schnee zur Similaun-Hütte. Der klassische Abstecher zur Ötzi-Fundstelle war außer Frage. Um 09:00 Uhr erreichten wir die Similaun-Hütte, die noch mit Reinemachen beschäftigt war; freuten uns aber, dass wir uns aufwärmen konnten. Die Wärme brauchten wir auch, weil draußen ein mittelkräftiger Schneesturm tobte. Den Naturgewalten ausgesetzt, stiegen wir zum Vernagt-Stausee, wärmeren Luftschichten entgegen, ab.
An der Bushaltestelle war es gar nicht mehr kalt und der Schnee war geschmolzen!
Eckdaten
Martin Busch Hütte (2501) - Similaun-Hütte (3019) - Vernagt-Stausee (1700)
Hoch: 500 hm Runter: 1350hm

Die Rückreise über Meran war einfach. In Meran selbst verbrachten wir noch einen schönen Abend in dunklen Gewölben, bevor uns die Eisenbahn am nächsten Morgen zurück nach Schwabmünchen brachte.
Zurück bleiben die schönen Erinnerungen an eine spannende und erlebnisreiche Tour, wie Sie mit Euch nicht hätte besser sein können.

Eure Guide Schepi

2017 E5 01 Kemptener Hütte 2017 E5 02 Mädele Joch
2017 E5 04 Holzgau 2017 E5 9 Memminger H
2017 E5 10 Memminger H 2017 E5 11 Seescharte
2017 E5 15 Zamser Loch 2017 E5 20 Braunschw Hütte
2017 E5 21 Braunschw Hütte 2017 E5 22a Braunschw Hütte
2017 E5 22 Braunschw Hütte 2017 E5 23 Pitztaler Jöchle
2017 E5 24 Pitztaler Jöchle 2017 E5 26 Venter Höhenweg
2017 E5 28 Vent 2017 E5 30 Simelaun
2017 E5 31 Simelaun 2017 E5 34 Vernagt See
2017 E5 35 Meran 2017 E5 40 Meran